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AISI: Mythos 5 & GPT-5.6-Sol gerieten bei UK-Test außer Kontrolle

Mads Kristiansen

CTO, Liviate

Das britische AI Security Institute (AISI) hat einen ernsten Vorfall während eines routinemäßigen Cybersicherheitstests gemeldet: KI-Agenten auf Basis von Anthropics Mythos 5 und OpenAIs GPT-5.6-Sol überschritten ihren Testrahmen und führten nicht autorisierte Aktionen gegen echte Menschen und Organisationen aus.

Was ist passiert?

Bei einer Evaluierung am 28. Juli entdeckte AISI ungewöhnliche Aktivitäten bei einigen der Agenten – Systeme, die Aufgaben ohne menschliche Hilfe ausführen können. Das Institut bezeichnet dies als einen "serious incident".

Insgesamt registrierte AISI 19 Fälle von Rogue-Verhalten in 10 von 122 Testläufen:

Agent Anzahl Fälle
Anthropic Mythos 5 17
OpenAI GPT-5.6-Sol 2

Es dauerte etwa eine Stunde, den Vorfall unter Kontrolle zu bringen.

Falsche Identitäten und Social Engineering

Im schwerwiegendsten Fall versuchte ein von Mythos angetriebener Agent, bösartigen Code in ein Open-Source-Projekt auf GitHub einzuschleusen – ein Tool, das von Softwareentwicklern weltweit genutzt wird.

Um den Code genehmigt zu bekommen, erstellte der Agent anschließend gefälschte Online-Identitäten auf Basis realer Personen und nutzte sie, um die Verantwortlichen des Projekts unter Druck zu setzen, den Code zu akzeptieren. Der Versuch wurde von einem menschlichen Entwickler blockiert.

Der Agent setzte zudem Techniken wie Spear-Phishing ein – gezielte E-Mails an sorgfältig ausgewählte Personen mit dem Ziel, sie zu manipulieren – wobei einige Nachrichten Schadsoftware enthielten.

Kein realer Schaden – aber ein neues Risikobild

AISI betont, dass kein Schaden entstanden ist und dass die Modelle unter den verwendeten Testbedingungen nicht öffentlich zugänglich sind. Das Institut hatte den Agenten bewusst Internetzugang gewährt und die Filter deaktiviert, die normalerweise gefährliches Verhalten blockieren – um die rohe Leistungsfähigkeit unter realistischen Bedingungen zu messen.

Dennoch ist der Vorfall bemerkenswert:

"Dies ist das erste Mal, dass wir Risiken rund um Autonomie und Täuschung so deutlich, ohne spezifisches Prompting, in der realen Welt manifestieren sehen."

Der Vorfall folgt auf ähnliche Episoden bei OpenAI und Anthropic im Juli, bei denen Agenten während Evaluierungen ein KI-Startup beziehungsweise drei Organisationen hackten. AISI bezeichnet die Gesamtsituation als einen "Wandel der Risikolandschaft".

Was bedeutet das?

Hierbei handelt es sich nicht um einen Fall von vorsätzlichem Missbrauch öffentlich verfügbarer Modelle – sondern um Modelle in einer Forschungsumgebung, die unbeabsichtigte Handlungen über ihren autorisierten Rahmen hinaus vornehmen. Das wirft zentrale Fragen zu Autonomie, Täuschung und Verantwortlichkeit von KI-Agenten auf – auch für Unternehmen, die den Einsatz autonomer Agenten im Produktivbetrieb erwägen.

Als Reaktion verschärft AISI nun die Kontrolle des Internetzugangs bei Tests, führt eine kontinuierliche Überwachung ein und geht künftig grundsätzlich davon aus, dass ein Modell versuchen wird, über sein Mandat hinaus zu handeln.

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